Die Geschichte unserer Kirchengemeinde



Die Geschichte unserer Gemeinde


Die Anfänge der orthodoxen Kirchengemeinde Heiliger Prophet Elias in Wernau am Neckar:

Am 1. Dezember 1985 wurde in Wernau eine Filialkirche der Tübinger russisch-orthodoxen Gemeinde Heilige Maria von Ägypten zu Ehren des Heiligen Propheten Elias in Form einer Hausweihe, durch den Stuttgarter Priester Vater Johannes Bücheler, seiner gottesdienstlichen Bestimmung übergeben.Der etwa fünfzig Quadratmeter große Raum war die holzverkleidete Halle des Wernauer Laichle-Kindergartens, dessen Träger die katholische Kirchengemeinde St. Erasmus in Wernau war.
Die Etage war kurz zuvor von einem, in Wernau ansässigen,  orthodoxen Dozenten für Kunsttherapie angemietet worden, um dort eine private Kunstschule einzurichten, welche zunächst als Wochenend­werkstatt der Freien Kunstschule Nürtingen, später als eigenständige Bildungseinrichtung mit der Bezeichnung Kreativ-Werkstatt Wernau geführt wurde.
Bei den Mietverhandlungen mit dem Träger war von Anfang an auch eine gleichzeitige teilweise Nutzung für orthodoxe Gottesdienste im Gespräch, was seitens der Vertreter von St. Erasmus durchaus begrüßt wurde.
Der Unterricht der Kreativ-Werkstatt fand während der Woche statt. Er wurde von etwa einem Dutzend Studierender mittleren Lebensalters aus dem weiteren Umkreis besucht, und fand in gesonderten Arbeitsräumen statt, die an die Hauskapelle angrenzten.
Der Altarraum war durch eine Ikonostase aus Holz und Vorhängen von der übrigen Eingangshalle getrennt, und wurde in seiner Unbegehbarkeit von den Studierenden respektiert. Der Raum vor der Ikonostase diente wochentags als Durchgangsbereich zur Haustüre, zur Küche und zu den Arbeitsräumen. Zu den Gottesdiensten wurden Analogien, ein Sängerpult, ein Teppich und ein paar Stühle bereitgestellt. Die Holzgestelle und die Königstüre der Ikonostase waren nach dem Entwurf des Etagenmieters durch einen Wernauer Schreiner gefertigt worden.
Die Göttliche Liturgie wurde an jedem ersten Sonntag im Monat regelmäßig gefeiert, außerdem an wichtigen kirchlichen Feiertagen. Die liturgische Sprache war überwiegend Deutsch, weil Vater Johannes die deutsche Sprache als verbindendes Element für die orthodoxen Christen verschiedener Nationalitäten ansah.
So kamen zu den Gottesdiensten Deutsche aus Wernau und Tübingen, Griechen aus Wernau und russische Gläubige aus Stuttgart. Als Sänger dienten die Kirchenälteste der Tübinger Muttergemeinde und ein Deutscher aus Wernau. Als Altardiener half meist ein Grieche aus Wernau. Besonders feierliche Gottesdienste wurden gesanglich durch das Ehepaar Zumbroich vom slavisch-byzantinischen Tonarchiv Gaildorf gestaltet.
Bald nach der Einweihung wurde von der Vermieterseite durch den Pfarrer der Gemeinde St. Erasmus mitgeteilt, dass sich Widerstand seitens einiger Mitglieder des Kirchengemeinderates regte, weil Vorbehalte gegen das Moskauer Patriarchat bestünden. Dennoch konnten die Gottesdienste bis 1989 fortgesetzt werden, als die Etage wegen Umstrukturierung und Verlegung der Kreativ-Werkstatt nach Ohmden aufgegeben wurde.
Die Ikonostase, Thron und Rüsttisch und die liturgischen Geräte wurden nach Stuttgart gebracht und in der Wohnung der orthodoxen Nonne Mutter Seraphima Lehmacher zur Einrichtung einer Hauskapelle verwendet. Dort fanden in der Übergangszeit orthodoxe Gottesdienste statt, bis die Prophet-Elias Kirchengemeinde eine neue Bleibe in einer Seitenkapelle der evangelischen Lukaskirche in Stuttgart-Ost finden konnte.

 


Die Jahre von 1989 bis 1993:

Nach Wernau und dem Interim in der Wohnung der Mutter Seraphima boten sich der Gemeinde HI.Prophet Elias in der Evangelischen Lukaskirche in Stuttgart naturgemäß stabile äußere Bedingungen dar, die auch bis zum späteren Auszug währten.

Allerdings musste das Quartier im Laufe des Jahres 1992 wegen verschiedener Ereignisse vorübergehend verlassen werden. Bis zum Wiedereinzug an Ostern 1993 gewährte die Serbische Orthodoxe Kirche in Stuttgart der Gemeinde Herberge für ihre Gottesdienste.

Die Jahre von 1993 bis 2000:

Aus Anlass des einhundert jährigen Bestehens ihrer Kirche am 19.März 1999 hat die evangelische Lukasgemeinde im Osten von Stuttgart eine Broschüre vorgelegt mit dem Titel „Evangelische Lukaskirche Stuttgart Führer durch Kirchengebäude und Geschichte.“

Auf einer der 36 Seiten dieser Schrift steht der kurze Satz: Die russisch-orthodoxe Kirche ist im Bet-Saal regelmäßig zu Gast. Es ist hierbei die Rede von der Gemeinde des Hl. Propheten Elias der Russische-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, in Stuttgart.

Fast elf Jahre lang, hat die Gemeinde „HI. Prophet Elias“ dort ihr Unterkommen haben dürfen. Wie kam es dazu und warum das Angewiesensein auf die Gastfreundschaft einer evangelischen Kirchengemeinde? Viel zu wenig weiß der Berichterstatter davon, um darüber schreiben zu können, denn der Anfang in der Lukaskirche lag vor der Zeit der Einmündung seines Lebensweges in die orthodoxe Kirche. Aber was damals an äußerem Geschehen und an äußeren Umständen von ihm vorgefunden wurde und was seither geschah, ist nachfolgend in Wort und Bild ein wenig dargestellt.

Die Lukaskirche ist nach Norden ausgerichtet. An der Westseite ist der Bet-Saal angebaut, gewisser­maßen ein verkürztes Seitenschiff, das durch eine Wand mit Verbindungstüre vom Hauptschiff abge­trennt ist.

Der eigentliche Zugang zum Bet-Saal erfolgt durch das Tor links vom Hauptportal der Kirche (im obe­ren Bild am linken Rand im Schatten erkennbar). Rechts vom Tor ist der Schaukasten der evangeli­schen Gemeinde zu sehen. In diesem Schaukasten durfte auch die orthodoxe Gemeinde ihren Got­tesdienstplan aushängen.

Der Weg zum Bet-Saal führt über den Hof. An verschiedenen Stellen im Hof aufgehängte Schilder lenken den Besucher zum "Orthodoxen Gottesdienst".  In der oben genannten Jubiläumsbroschüre wird erwähnt, dass im Bet-Saal der Wochenschlussgottesdienst der Lukasgemeinde stattfindet sowie das Taize-Gebet, und er auch als Probenraum für die Lukaskantorei und für Instrumentalgruppen dienen. Mit anderen Worten: die orthodoxe Kirchengemeinde hatte hier keinen ständigen Kirchenraum. Vielmehr musste der Bet-Saal nach dem Ende des Wochenschlussgottesdienstes am Samstagabend um 19 Uhr erst einmal ausgeräumt werden, um danach die Einrichtung als orthodoxe Kirche vornehmen zu können.

So war diese orthodoxe Kirche eigentlich eine Wanderkapelle mit dem besonderen Merkmal, dass sie nicht an wechselnden Orten, sondern immer im gleichen Haus neu eingerichtet wurde. Die Einrich­tungsgegenstände, die Teppiche, Ikonen, Altargeräte usw. lagerten zwischen den Sonntagen, an denen die Liturgie gefeiert wurde, unter der Treppe im westlichen Treppenturm, in einem Schrankoberteil im Betsaal und in einem zweitürigen Schrank im Seminarraum der Lukaskirche. Der Platz für alle diese Dinge war sehr beschränkt und die Unterbringung unübersichtlich; insbesondere war kein Platz vorhanden für die Priestergewänder. Lediglich die von Frau Maria H. gestiftete große Ikone des HI. Georg durfte mit freundlichem Einverständnis der evangelischen Kirchengemeinde im Bet-Saal aufgehängt bleiben.

Anfangs erfolgte die Einrichtung der Kirche am Samstagabend durch den Priester selbst. Später konnte er darin abgelöst werden bis auf die allein ihm obliegenden Verrichtungen, die er dann am Sonntag vor der Liturgie vornahm. Um der helfenden Hand die Anfahrt zur Lukaskirche mit immerhin 50 km Weg hin und zurück einmal zu ersparen, wurde dazu übergegangen, die Einrichtung für den Gottesdienst in die Frühe des Sonntags zu legen. Damit musste dann allerdings spätestens um 8. 30 Uhr begonnen werden, damit alles fertig war bis die evangelische Gemeinde sich daran machte, ihren eigenen, um 10. 00 Uhr beginnenden Gottesdienst vorzubereiten.
Die Ikonen wurden außer auf den Analogien auf den Seitenschränken des Bet-Saales aufgestellt, in den Fensternischen, auf dem Klavier, und an den wenigen Nägeln an der Wand, z.T. anstelle vor­übergehend abgenommener Bilder und Sprüche der Lukasgemeinde aufgehängt. Als Altarraum wurde die recht schöne, aber enge Apsis des Bet-Saales be­nutzt.
Da waren dann also das Cembalo der Kantorei an die Rückwand des Bet-Saales zu rücken, die vom Wochenendgottesdienst her aufgereihten Stühle teils zu stapeln und teils in anderer Ordnung aufzustellen, die Teppiche auszulegen, der schwere Altartisch nach vorne zu rücken und die Altardecken auszubreiten, die Analogien aufzustellen und zu bedecken, die Ständer für die Kerzenschalen aufzustellen und die Kerzenschalen selbst darauf zu setzen, die Ikonen an ihren Platz zu bringen, einen Tisch aus dem Seminarraum der Kirche herbei zu schaffen zur
Verwendung als Rüsttisch, die Altargeräte und die Leuchter herbei zu holen und aufzustellen, den Blumenschmuck zu richten, den Kerzen- und Schriftentisch zu richten, den Notenständer für den Chor an den rechten Ort zu bringen, das Rauchfass, den Weihrauch und die Kohlen bereitzustellen und schließlich die Schilder mit der Wegweisung zum Ort des Gottesdienstes im Hof aufzuhängen.
Eine Ikonostase war freilich nicht vorhanden; das hätte doch kaum lösbare Probleme beim Aufstellen, Abbauen und beim zwischenzeitlichen Aufbewahren gegeben. Die drei Türen zum Altar waren deshalb durch zwei davor aufgestellte Analogien symbolisiert.
Wie viele Personen im "Kirchenschiff" Platz gehabt hätten, lässt sich nicht so genau angeben. Es hatte sich die Sitte herausgebildet, den Raum links und rechts der Mitte mit Stühlen zu versehen, was ungefähr 25 Sitzplätze ergab und noch Quartier bot für einen kleinen Chor sowie einige "Stehplätze" freiließ. Insgesamt konnte der solchermaßen mit Stühlen ausgestattete Raum etwa 40 Personen noch einigermaßen bequem aufnehmen. Kritisch wurde es jedoch an Festtagen. Besonders am Heiligen und Großen Samstag, wenn noch Tische aufgestellt waren für die Osterspeisen, war die Enge drückend. Mit der Liturgie konnte erst begonnen werden, wenn nebenan der Gottesdienst der Lukasgemeinde beendet war. Man hat sich deshalb darauf geeinigt, den Beginn der Liturgie der orthodoxen Gemeinde generell auf 11. 15 Uhr anzusetzen. Wenn der evangelische Gottesdienst jedoch mit Taufen verbunden war, bei den Konfirmationen, bei Abendmahlsgottesdiensten oder wenn es andere besondere Anlässe gab, dann dauerte der Gottesdienst länger und dementsprechend musste der Beginn des orthodoxen Gottesdienstes verschoben werden; manchmal bis auf 12 . 00Uhr.
Ein schönes Entgegenkommen der gastgebenden Lukasgemeinde war, dass zum Beginn der Liturgie die Glocken der Lukaskirche geläutet werden durften: vier Glocken an gewöhnlichen Sonntagen und fünf Glocken an Festtagen. Wenn es der Sinn des Geläutes war, die Gläubigen zum Kirchgang zu rufen und sie auf dem Weg zu begleiten, so konnte das bei den Gläubigen der Gemeinde des HI. Prophet Elias freilich kaum beziehungsweise nur "auf den letzten Metern des Wegs" erfüllt werden: die wenigsten Gläubigen kamen aus Stuttgart, und selbst diese wohnten größtenteils weitab von der Lukaskirche. Die in der Regel vierzehntägig stattfindende Liturgie war deshalb nebenbei auch noch das Ereignis, dass so weit verstreut lebende Gläubige sich begegneten und sich gegenseitig ihrer Teilhaftigkeit an der Kirche immer wieder aufs neue versichern konnten.
Vielleicht war es mit in der Diaspora-Situation begründet, dass an den Kirchenfesten so viele Gläubige noch an den anschließenden Festmahlen teilnehmen und auch das ihrige dazu beitrugen. Diese Versammlungen, mit dem gemeinsamen Essen, durften durch ein weiteres, großes Entgegenkommen der Lukasgemeinde in deren Begegnungsraum im Untergeschoß der Kirche durchgeführt werden (Erinnerung an das Agapemahl der ersten Christen). In diesen Räumlichkeiten fanden immerhin so gegen fünfzig Personen Platz am Tisch. Auch das Kaffeegeschirr aus der dort befindlichen kleinen Teeküche stand zur Verfügung. Die Teeküche selbst platzte bei diesen Veranstaltungen allerdings fast aus den Nähten. An den gewöhnlichen Sonntagen konnte in dieser Teeküche ein kleiner Imbiss für die besonders von weit her gereisten Gläubigen bereitet werden.
Wir sind unseren evangelischen Freunden immer noch sehr dankbar für ihre Hilfe. Trotz hin und wieder versehentlich vorgekommenen Überschneidungen von Veranstaltungen der evangelischen und der orthodoxen Gemeinde, trotz gelegentlichen Missgeschicken im Umgang mit dem Mobiliar und den Einrichtungen der Lukasgemeinde war das Verhältnis zwischen den beiden Gemeinden gut und die Lukasgemeinde war, nach ihren Möglichkeiten, ein sehr guter Gastgeber. Mit der Festsetzung eines nur geringen Entgelts für die Benutzung ihrer Räume inklusive Heizung, Strom und Großputz war sie zugleich ein großzügiger Gastgeber. Darüber hinaus hat sie manchen schönen Blumenstrauß der orthodoxen Gemeinde zum Schmuck ihres Kirchenraumes überlassen. Deshalb wird der Pfarrer, der Gemeindeleitung, des Mesnerehepaares und des Kantors der Lukasgemeinde, auch in diesem kurzen Bericht, hiermit dankbar gedacht.

   Schließlich aber hat es sich ergeben, dass das zu-Gast-sein in der Lukaskirche sein Ende nahm; am Festtag des HI. Apostel Markus, dem 8. Mai 1999, wurde die letzte Heilige Liturgie, in dem zur orthodoxen Kapelle umgestalteten Bet-Saal, gefeiert.

Freiwillige Wechsel der räumlichen Unterbringung nimmt man vor, wenn sich dadurch die Situation insgesamt verbessert. Das kann wünschenswert sein aber sich auch nach und nach als zwingend erweisen. Was oben über das Quartier der orthodoxen Gemeinde in der Kirche des HI. Lukas berichtet ist, zeigt deutlich dass eine Entfaltung des liturgischen Lebens entsprechend der kirchlichen Tradition ausgeschlossen war. Das ergibt auch der Blick in einen der Gottesdienstpläne aus jener Zeit:
Außer an einigen wenigen Feiertagen, meist noch begünstigt durch gleichzeitige Schulferien, war an Abendgottesdienste, Morgengottesdienste, Gottesdienste unter der Woche, Lesung der Stundengebete usw. nicht zu denken. Die Heilige Liturgie an mehreren Sonntagen zu feiern als bisher, wäre für die evangelische Gemeinde zur Zumutung geworden; ganz abgesehen davon jedoch, dass dieses auch ein Terminproblem für den Gemeindepriester war. Von dem Mangel an Räumlichkeiten und der Enge für die Unterbringung der Kirchenausstattung und der Priestergewänder in der Lukaskirche war schon die Rede. Die Einrichtung einer Bibliothek gar, musste ein Wunschtraum bleiben. Überdies rückt jenes Jahr näher, in dem die Osterzeit der westlichen Kirchen und die der Ostkirche wieder einmal zusammenfallen mit der Aussicht auf einen besonderen Engpass bei der Benutzung ein und derselben Kirche.

Ein besonderer Stein des Anstoßes war jedoch für viele Gläubige der offene Altarraum, d.h. die fehlende Ikonostase. Wer sich nicht notgedrungen damit abfinden wollte oder konnte, der kam nach der erstmaligen Teilnahme am Gottesdienst nicht mehr wieder - und das war leider des öfteren festzustellen.
In vielen Anfragen, Gesprächen und Verhandlungen mit der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart hat der Vorsteher der Gemeinde, Igumen Mitrophan, versucht, hierin Abhilfe zu schaffen. Der Bau einer eigenen Kirche kam ja aus nahe liegenden Gründen nicht in Betracht. Schließlich aber war dann eines Tages die folgende hoch erfreuliche Mitteilung zu lesen:

'Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar'   

Ps 84

Liebe Brüder und Schwestern,

wie Sie bestimmt gehört haben, bekommt unsere Stuttgarter Gemeinde von der evang. Kirche ein Gemeindehaus zur Verfügung gestellt, dessen Saal wir zu einem orthodoxen Kirchenraum umgestalten können. Nun wird es uns endlich möglich sein, unseren gottesdienstlichen Raum so zu gestalten, wie es in unserer orthodoxen Kirche üblich und unserem Empfinden nach notwendig ist. Das Gemeindehaus steht in Gablenberg (Neue Straße 176) etwa 2 Km von der Lukaskirche entfemt. Die Bushaltestelle (Buslinie 40) liegt praktisch gegenüber des Hauses.
Ein weiterer Vorteil ist, daß wir unsere Gottesdienste somit auch früher beginnen können. Wenn danach noch Taufen, Trauungen oder Panichiden gefeiert werden sollen, können wir dies dann auch mit erheblichen Erleichterungen tun. Außerdem haben wir damit auch die Möglichkeit, an Feiertagen, die in der Woche liegen und am Samstagabend Gottesdienste zu feiern.
Außer dem Saal werden uns eine Küche, Toilette und ein kleiner Vorraum zur Verfügung gestellt. Im Vorraum können dann Versammlungen und Empfänge mit Essen stattfinden.
Natürlich kommen nun auch finanzielle Belastungen auf uns zu: die Miete beläuft sich auf monatlich 250,-DM (was äußerst günstig ist). Dazu kommen noch etwa 350- DM pro Monat für Nebenkosten, also etwa 600,-DM monatlich.
Ich denke es ist gut, wenn wir diese Möglichkeit annehmen. Deshalb möchte ich Sie alle bitten, nach Ihren Möglichkeiten zu helfen, und zwar nicht nur in der regelmäßigen Unterstützung bei der Deckung der monatlichen Miete, sondern auch bei der Inneneinrichtung, damit wir dieses Vorhaben verwirkli­chen können.

Igumen Mitrofan

Beilage zum Gottesdienstplan vom 06.01.1999


Die daraufhin einberufene Gemeindeversammlung war so ermutigend in ihrer Zustimmung zu dem Projekt und in den Zusagen bei der finanziellen Unterstützung, dass der Mietvertrag unterzeichnet werden konnte.

Mietbeginn war der 1. Mai 1999. Mit der Umgestaltung des Gemeindesaales in einen orthodoxen Kirchenraum durfte jedoch schon vorher begonnen werden, was dann auch einen nahtlosen Übergang im gottesdienstlichen Leben von der Lukaskirche in den Buchwald ermöglichte.
Vordringlichste Aufgabe war die Änderung der vorhandenen Bühne, so dass später eine Ikonostase darauf errichtet werden konnte, sowie die Anfertigung eines Altartisches und eine Rüsttisches.
Zustatten kommt die Ausrichtung des Raumes nach Osten.
Dank der aus der eigenen Gemeinde und aus den Gemeinden in Tübingen und Ulm gekommenen Hilfsbereitschaft und des Einsatzes waren diese Arbeiten samt Putzen, Reinigen, Einrichten und dem, was ein Umzug sonst alles mit sich bringt bald erledigt.

So war es denn soweit gekommen, dass zur ersten Liturgie in der neuen Kirche eingeladen werden konnte:

Liebe Brüder und Schwestern

wir feiern nun am Fest der Heiligen Dreifaltigkeit den ersten Gottesdienst in unserem neuen Kirchenraum.

Wir wollen unserem Herrn danken, daß wir jetzt einen festen eigenen Ort für unsere Gottesdienste haben. Danken wollen wir auch der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart für die freundliche und günstige Überlassung der Gemeinderäume. Auch der evangelischen Lukasgemeinde danken wir von ganzem Herzen für die fast 11 Jahre, in denen wir in ihrer Kirche zu Gast sein durften, für ihre Rücksichtnahme und Freundlichkeit. Nicht zuletzt möchte ich mich bei all denen bedanken, die durch ihre Gebete, mit ihren Spenden, mit regelmäßigen Beiträgen und mit ihrer Hände Arbeit dieses Vorhaben möglich gemacht haben. Manches mag noch provisorisch sein, aber mit Gottes Hilfe werden wir unseren neuen Kirchenraum Schritt für Schritt weiter ausstatten und vollkommener machen können.

So freue ich mich nun auf unsere gemeinsame Liturgie am 30. Mai und hoffe, Sie alle an diesem Fest zu se­hen. Der Plan auf der Rückseite soll Ihnen helfen, den Weg dorthin zu finden.

    Im Laufe der nächsten Wochen konnte dann aus Spenden, darunter auch einer Spende aus einer katholischen Kirchengemeinde die Ikonostase aufgerichtet werden. Damit war es soweit, dass die neu im Buchwald ansässig gewordene Gemeinde sich und ihr Gotteshaus an einem "Tag der offenen Tür" der Nachbarschaft und anderen Interessierten vorstellen und bekannt machen konnte:
Wenn auch, wie es in der Einladung heißt, manches noch provisorisch war - es war ja zum Beispiel noch keine Bilderwand vorhanden - so ist diese erste Feier der Göttlichen Liturgie an diesem Ort doch zu einem großen Fest geworden, an dem auch die Gläubigen der Gemeinden Hl. Maria von Ägypten aus Tübingen und Hll. Valentin und Pasikratus aus Ulm teilnahmen und die Gemeinde des Hl Propheten Elias beglückwünschten und beschenkten - am sichtbarsten in Gestalt zweier Kirchenfahnen.


Der Höhepunkt der Übergabe folgte dann am 17. 0ktober mit der Weihe des Altars und der Kirche durch Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland unter Mitwirkung von Metropolit Seraphim von der Rumänischen Orthodoxen Kirche und Vikarbischof Avenir von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche sowie des Klerus des süddeutschen Dekanats und der Begleiter der hochgeweihten Oberhirten, darunter Erzpriester Georgij Antonjuk, Leiter des Dekanats Ost der Berliner Diözese, und Protodiakon Vitalij Sadakov.
Als Gäste waren anwesend von der Evangelischen Landeskirche Herr Kirchenrat Wagner, der die Grüße des Landesbischofs Eberhardt Renz überbrachte, und Herr Stadtdekan Ehrlich, der für die Evangelischen Kirchengemeinden in Stuttgart sprach und deren Grüße und Glückwünsche weitergab.
Nun harrt das geweihte Gotteshaus der Gläubigen und der Füllung mit kirchlichem leben. Nicht alle aus der Gemeinde des HI. Propheten Elias können diesen neuen Abschnitt miterleben; manche sind weggezogen, manche sind entschlafen. Stellvertretend für diese alle sei die entschlafene ehrwürdige Mutter Seraphima genannt, der über diesen heiligen Ort gewiss das Herz aufgegangen wäre. Der Blick der Lebenden aber wird angezogen durch die Tafel am Eingang des Grundstücks.Und wenn das Äußere des Hauses auch bescheiden ist, so korrespondiert, im Zusammenwirken mit dem Inhalt der Tafel, doch auch sein Anblick mit den hohen geistlichen Werten kirchlicher Verkündigung, wie es in der Verlautbarung des Bistumsrates vom Februar 1997 heißt.
Der Kirchenraum selbst hat nach Süden eine durchgehende Fensterfront. Aber durch die Hanglage bedingt verliert ein flüchtig abschweifender Blick hinaus sich im Himmel oder verfängt sich in den Ästen und Wipfeln der Bäume des Gartens und des nahen Waldes. Durch Außenjalousien kann unerwünschte Sonneneinstrahlung abgefangen werden. Die anderen Wände sind mit Holz verkleidet. Die Gesamtfläche des Raumes von 85 qm wird ungefähr zu einem Drittel vom Altarraum eingenommen. In dem für das Kirchenschiff verbleibenden Teil kann somit um die 60 Personen noch einigermaßen bequem Platz finden. Auf eine Bestuhlung ist verzichtet; nur an den Längsseiten befinden sich Stuhlreihen mit zusammen etwa 18 Stühlen. Bei Bedarf kann die cirka 47 qm große Eingangshalle (Vorraum) durch Öffnen der großen zweiflügeligen Türe mit dem Kirchenraum verbunden werden und weitere Gottesdienstbesucher aufnehmen. Der Boden des Altarraumes ist gegenüber dem Kirchenschiff um 22 cm erhöht. Deshalb musste eine Zwischenstufe vorgebaut werden. Damit möglichst viel Platz für das Kirchenschiff bleibt, ist der Ambo auf die Ebene der Zwischenstufe gelegt. Schön wäre, wenn der Raum eine andere Decke und eine andere Beleuchtung hätte. Aber an eine Änderung ist vorerst nicht zu denken.
Als Besonderheit ist noch zu vermerken, dass das Kirchenschiff durch eine quer zur Längsachse auf die zweite Fenstersäule v.l. zulaufende Faltwand vollständig abgeteilt werden kann. Dadurch kann der westliche Teil in Sonderfällen dem Foyer als Versammlungsraum zugeschlagen werden.
Die Toiletten und die Küche sind von der früheren Nutzung des Hauses her für die oben genannten Besucherzahlen ausgelegt. Die Küche ist gut ausgestattet und ermöglicht die Bereitstellung und mit Einschränkung auch die Zubereitung warmer Speisen. Allerdings muss der Vorraum als Speisesaal dienen und kann solchermaßen ausgestattet höchstens 48 Personen Platz am Tisch bieten und bei "präsidialer" Tischordnung sogar nur 36 Personen.
Sämtliche Räume werden durch eine gasbefeuerte Zentralheizung mit Wärme versorgt. Auch die Küche hat Gasversorgung. Ein nördlich neben dem Altarraum liegender Raum wird als Diakonikon benutzt. Im Untergeschoss ist ein evangelischer Kindergarten eingerichtet. Im Obergeschoss befinden sich zwei Wohnungen, deren eine vom Vorsteher der Gemeinde gemietet werden konnte. Das Dachgeschoss enthält eine weitere Wohnung sowie zwei Gästezimmer. Diese Gästezimmer sind der Kirche zugeschlagen und bieten Übernachtungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten für Gäste der Gemeinde. Zu der vom Gemeindevorsteher bezogenen Wohnung gehört auch ein kleiner Garten am Hang oberhalb des Hauses. Es wird schön sein, dort sich zu ergehen und zu ruhen, wenn die gärtnerischen Arbeiten einmal durchgeführt sind.
Durch die eigene Verantwortung für die Räume sind der Gemeinde mit Reinigung, Pflege, Unterhaltung, sparsamem Verbrauch von Strom, Gas, Wasser und Wärme sowie finanzieller Inanspruchnahme Aufgaben zugewachsen, die sie bisher nicht hatte - aber das spielt nun schon hinein in die "Innere Geschichte“.


   Es ist viel passiert seitdem: Vr. Paul Sohnle, unser alter Priester, ist entschlafen, Mutter Elisabeth ging ins Kloster, Vr. John ging wieder in die USA, Vr. Kallimach wurde hier Mönch, der Erzbischof der Orthodox Church in America, Theodosius (entschl.), besuchte unsere Kirchengemeinde einmal,  es gab viele Taufen und Krönungen, wir sind verbunden mit unseren Brüdern aus Georgien, der Gemeinde des Hl. Elias, des Gerechten, aus Georgien.

Unser vorübergehender Gastpriester heißt Vr. Vladimir Egorov.

 

    Seit 1999 hielten wir regelmäßig orthodoxe Gottesdienste in unserer Kirche in Stuttgart-Ost.

Ab dem 02. 05. 2010 hielten wir unsere Gottesdienste in der Föhrichkirche und sind nun Dauermieter in diesem Kirchengebäude in Stuttgart-Feuerbach.

 

 

  Wir danken unseren evangelischen Mitchristen in Stuttgart-Ost, denn wir wurden freundschaftlich aufgenommen und durften 11 Jahre lang unsere Gottesdienste in den Räumlichkeiten der evang. Kirche in Stuttgart-Buchwald feiern. Gott möge unsere Freunde segnen!