SONNTAGSEVANGELIEN

 

2017

 

 

November

 

Evangelien - 3. Sonntag im November 2017

 

 

24. Sonntag nach Pfingsten: Die Auferstehung der Tochter des Jairus

In jener Zeit kam ein Mann namens Jairus, der war ein Oberster der Synagoge; und er
warf sich Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen. Denn er hatte eine
einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Als er aber hinging,
bedrängte ihn die Volksmenge. Und eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluß
gehabt und all ihr Gut an die Ärzte gewandt hatte, aber von keinem geheilt werden
konnte, trat von hinten herzu und rührte den Saum seines Gewandes an; und auf der
Stelle kam ihr Blutfluß zum Stehen. Und Jesus fragte: Wer hat mich angerührt? Als es
nun alle bestritten, sprachen Petrus und die mit ihm waren: Meister, die Volksmenge
drückt und drängt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt? Jesus aber sprach:
Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe erkannt, wie eine Kraft von mir
ausging! Als nun die Frau sah, daß sie nicht unbemerkt geblieben war, kam sie
zitternd, fiel vor ihm nieder und erzählte ihm vor dem ganzen Volk, aus welchem
Grund sie ihn angerührt hatte und wie sie auf der Stelle gesund geworden war. Er
aber sprach zu ihr: Sei getrost, meine Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin
in Frieden! Während er noch redet, kommt jemand vom Synagogenvorsteher und
spricht zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht! Da es aber
Jesus hörte, antwortete er ihm und sprach: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie
gerettet werden! Und als er in das Haus kam, ließ er niemand hineingehen als Petrus
und Jakobus und Johannes sowie den Vater und die Mutter des Kindes. Sie weinten
aber alle und beklagten sie. Er aber sprach: Weint nicht! Sie ist nicht gestorben,
sondern sie schläft. Und sie lachten ihn aus, weil sie wußten, daß sie gestorben war.
Er aber trieb sie alle hinaus und ergriff ihre Hand und rief: Kind, steh auf! Und ihr
Geist kehrte zurück, und sie stand augenblicklich auf; und er befahl, ihr zu essen zu
geben. Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen, niemand zu sagen,
was geschehen war.

 

Lk 8, 41-56

 

Metropolit Antonij von Sourozh: Predigt zu diesem Evamgelium

 

Als Christus der Heiland in das Haus des Jairus trat und den Eltern des verstorbenen Mädchens sagte, dass diese nicht weinen sollen, da ihre Tochter nicht gestorben sei, sondern nur schläft, begannen die Leute dort über Ihn zu lachen. Im Evangelium heisst es: Die Leute wussten, dass das Mädchen gestorben war. Uns scheint es völlig absurd, wie man dem Herrn antworten folgendes kann: Du irrst dich, wir wissen es besser. Doch genau das geschieht so immerfort auch unter uns. Ein Mensch erkrankt, und wir wissen genau, was ihn nun erwartet. Damit verschließen wir aber dem Herrn den Weg. Wir rufen Ihn nicht, und bitten Ihn, dass Er uns in ein Haus eintritt, wo Verzweiflung herrscht, um diesen Menschen dort wieder Hoffnung zu machen. So ist es oft, wenn jemand krank wird und, da seine Verwandten ihn nicht erschrecken wollen und für ihn deshalb kein Priester gerufen wird. Man lässt den Kranken so nicht kommunizieren und gibt ihm auch nicht die Möglichkeit, Worte es Priesters zu hören. Stattdessen sagen wir immer wieder: Wir sollten den Kranken nicht beunruhigen, wir wissen doch, dass er schon im Sterben liegt.

So etwas geschieht unter uns auf Schritt und Tritt, denn ebenso ständig tritt der Herr mit Seinem Evangelium, mit der Stimme unseres Gewissens und durch den Rat uns nahe stehender Menschen in unser Leben und sagt uns immer wieder: Das ist nicht so. Doch wir wissen es besser. Die Gebote des Herrn kann man jedoch nicht umgehen, obwohl wir einige dieser zur Seite schieben, weil wir nicht an sie glauben. Dies alles läuft aufs eine hinaus: Wir stellen uns in unserer nichtigen Gestalt vor den Herrn und sagen: Wir wissen es besser. Wer bist denn Du? Hast Du den Verstand verloren und kommst uns mit Deinen Ratschlägen? Solange wir so weiterhin leben, werden wir auch weiterhin leiden. Unsere Seele gleicht dann weiterhin der der verstorbenen Tochter des Jairus und sie vegetiert ohne Gefühle weiter dahin. Unser ganzes Leben wird dann so sein, wie die Tochter des Jairus, die in all ihrer jugendlichen Schönheit leben könnte, doch dem Tod preisgegeben wurde, weil wir es besser wissen als Gott.

Wovor stehen wir nun? Nicht nur vor der wunderbaren Erzählung, in der der Herr mit Seiner  Liebe das verstorbene Mädchen wieder auferweckt und sie ihren Eltern zurückgegeben hat, sie ins Leben zurückgeführt und ihr einen ganz neuen Weg aufgetan hat, sondern auch vor unserem eigenen Leben, das dem Mädchen gleicht. Wir stehen vor unserer Seele und vor unseren Beziehungen und Freundschaften, die im Sterben liegen, weil wir trotzdem immer besser wissen als Gott, welchen Weg wir zu gehen haben. Den Weg des Lebens aber kennt doch nur Gott.

Darüber sollten wir nachdenken, damit es uns nicht so erscheinen möge, dass wir immerzu vor der Wahrheit Gottes zurückstecken müssen. Was auch immer uns die Erfahrung lehrt, wie auch immer die Dinge sich uns darstellen mögen, eines sollten wir uns immer sagen: So ist es Gottes Wort, so möge es mir ergehen. Darin sollten wir uns an der Jungfrau Maria ein Beispiel nehmen. Denn dann wird wirklich alles nach dem Wort des Herrn und im Wehen des Heiligen Geistes geschehen und der Herr Selbst tritt in unser Leben und wendet es ins Licht.

Amen

 

 

Zweite Evangeliumslesung:

Es sprach der Herr: Jeder, der sich zu mir bekennen wird vor den Menschen, zu dem wird sich auch der Sohn des Menschen bekennen vor den Engeln Gottes; wer mich aber verleugnet hat vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes. Und jedem, der ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden. Wenn sie euch aber vor die Synagogen und vor die Fürsten und Obrigkeiten führen, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt.

 Lk 12, 8-12

 

 

"Das Reich Gottes wird mit Gewalt errungen und ohne sich selbst zu zwingen hat es keiner erlangt. Man muß die Lasten der anderen tragen und dafür den Herrn um Geduld bitten."

 

Hl. Josef von Optina

 

 

 

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